Bericht zum Vortrag vom 09.08.2017 zum Thema „Es gibt mehr Luther in uns, als wir ahnen“ von Frau Siglinde Berg

Zahlreiche Bewohner und Besucher profitierten vom inklusiven und anspruchsvollen Veranstaltungsangebot im Alten- und Seniorenheim Wichernstift in 65549 Limburg

Dem Gedanken, warum Deutschland noch immer Lutherland ist, ging Pfarrerin Siglinde Berg am Mittwoch, dem 09.08.2017, in einem Vortrag im Limburger Wichernstift nach. Sie orientierte sich dabei an dem 2015 in München erschienenen Buch von Christine Eichel „Deutschland, Lutherland“.

 

Frau Berg legte mit ihren Ausführungen eindrucksvoll dar, dass viele unserer Wertvorstellungen, Verhaltensregeln und Haltungen ihre Wurzeln in der Reformationszeit haben. Sie werden aber nicht mehr als typisch protestantisch, sondern als typisch deutsch empfunden.

Die Referentin konnte das an verschiedenen Beispielen nachvollziehbar darstellen.

So geht uns Deutschen immer noch der Ruf voraus, fleißig, pünktlich, ehrlich und pflichtbewusst zu sein. Für Luther ist der Mensch nicht von Gott zur Arbeit verdammt; Arbeit zeichnet im Gegenteil einen guten Christen aus, ist ein frommes Werk, tätige Nächstenliebe. Der Beruf ist Berufung.

Die Deutschen gehören zu den Weltmeistern, was ihre Freude am Spenden betrifft. Für Luther ist das Spenden Christenpflicht, um Ungerechtigkeiten zu lindern. Spenden muss man, so sagt er, dem wahrhaft Bedürftigen, nicht jedem Faulenzer und Verschwender. Mahnende Worte von der Kanzel, das Spenden und Teilen nicht zu vergessen, gehören seit jeher zur protestantischen Tradition.

Einerseits tritt Luther dafür ein, dass eine Frau in erster Linie Hausfrau und Mutter ist.Auf der anderen Seite fasst er Gedanken in Worte, die bis dahin noch nicht gehört worden sind. Er fordert die Landesherren auf, Schulen für Mädchen zu öffnen, ja sogar Mädchenschulen zu gründen, da vor Gott Mann und Frau gleich sind. So haben es viele Frauen seiner Zeit zu zeitübergreifendem Ansehen gebracht, Begabungen entdeckt und ein eigenes Frauenbild jenseits der Unterordnung entwickelt.

Frau Berg sprach auch von Luther als genialem Sprachschöpfer, der dem Volk aufs Maul schaut. Damit ist nicht eine pöbelhafte Spreche gemeint, auch nicht das Nachmachen eines Alltagsjargons, sondern so zu schreiben, dass die Leute ihn verstehen, ohne dass der sakrale Charakter der Sprache im Hinblick auf seine Bibelübersetzung vernachlässigt wird.

Ein Meilenstein in der Geschichte Martin Luthers, etwas völlig Neues, ist die sogenannte „Leisniger Kastenordnung“ von 1523. Die Bürger von Leisnig, einer kleinen Stadt im Städtedreieck Leipzig, Dresden, Chemnitz, wenden sich 1522 an Luther um Beratung. Es geht darum, in finanziell knappen Zeiten das Geld im Kasten – einer schweren Truhe mit 4 Schlössern – den Gegebenheiten entsprechend gerecht auszugeben. Die Leisniger Sozialordnung wird zum ältesten Sozialpapier der Welt, das Bedürftigen Rechtssicherheit beschert, da sie nicht hilflose Bittsteller bleiben, sondern auf kommunaler Ebene einen Anspruch auf Unterstützung haben.

Etwa 35 externe Gäste aus der Stadt Limburg sind gemeinsam mit 7 Bewohnerinnen/Bewohnern des Hause an diesem Abend dem Gedanken gefolgt, dass Martin Luther in Deutschland deutlich präsenter als man das erwartet oder wahr haben will.

Vielfach ist der Wunsch geäußert worden, dass der Abend sein Alleinstellungsmerkmal verliert und mit anderen Schwerpunkten, vielleicht etwas stringenter organisiert, wiederholt werden sollte.


Kontakt:

Pfarrerin Siglinde Berg i. E.

Evangelische Kirchengemeinde Limburg

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